Das Schneiden von Gehölzen

 

Blütensträucher, Hecken, Kletterpflanzen, Koniferen, Laubbäume als Schattenspender oder Obstbäume und, nicht zu vergessen, Rosen - ich kann mir einen Garten ohne Gehölze gar nicht vorstellen. Sie sind ein wichtiger gestalterischer Bestandteil des Gartens. Sie gliedern unseren "grünen Wohnraum". Standort, Platzbedarf und Pflege richten sich nach den Bedürfnissen der Pflanze und nach den, ihr zugedachten, Aufgaben. Wenn man dies beachtet, können ein Teil der Schnittmaßnahmen eingespart werden: Schnitt wegen zu dichtem Stand und wegen störender Äste (auch zum Nachbargrundstück). Manchmal findet man auch, aus Unkenntnis ihrer natürlichen Entwicklung und der Schnittwirkung, verunstaltete und verkrüppelte Gehölze.
Fehler beim Schnitt sind vermeidbar, wenn man die Gesetzmäßigkeiten bei der Entwicklung der Gehölze beachtet, die richtigen Schnitttechniken anwendet und die Gehölze in die richtige Gehölzgruppe, mit den entsprechenden Pflegemaßnahmen, eingeordnet werden.

 

Der Weg zum richtigen Schnitt

 

Eine häufig gestellte Frage ist die nach dem Beschneiden von Gehölzen. Bevor wir aber damit beginnen, sollten wir wissen, dass man mit dem Beschneiden von Bäumen und Sträuchern in den natürlichen Kreislauf der Pflanzen eingreifen. Wachsen sie ohne bedrängt zu werden, weisen Gehölze Harmonie und Gleichgewicht in Gestalt und Verzweigung auf. Diese natürlichen Kräfte wirken sich bei einigen Arten sogar auf die Form der Früchte oder der Blätter aus. Bei einigen

aufrecht wachsenden Koniferen haben die Zapfen die gleiche Form wie der Baum. Das Lindenblatt gibt die Form der Krone der Linde wieder, wie der Apfel oder die Birne den natürlichen Kronenaufriss der dazugehörigen Bäume zeigt. Die Ähnlichkeit der Formen zeigt sich nur bei Bäumen, die die Mitte ihres Lebens noch nicht überschritten haben.
Diese natürlichen Formen werden durch einen Schnitt beeinträchtigt. Wenn wir es schaffen den Pflanzen genügend Platz, möglichst freien Stand unter Beachtung der natürlichen Standortbedingungen, zu geben, entwickeln sie sich zu natürlicher Vollkommenheit. Auch ohne Schnitt. Oft haben wir aber eine andere Zielsetzung, die eine Korrektur oder Erziehung notwendig macht.
Das Ziel ist die Fruchterträge, die Blütenfülle oder die Gestalt nach unseren Wünschen zu beeinflussen. So ist es bei Obstbäumen das Ziel einen gleichmäßigen Kronenaufbau zu erreichen, der Licht durchlässig ist,reichlich Blütenknospen bildet und guten Fruchtansatz sichert. Ziergehölze sollen dagegen eine bestimmte Form bekommen oder viele Blüten bilden.

 

9 Gründe für einen Schnitt

 

1. Wird ein Gehölz wurzelnackt verpflanzt, verliert es einen Großteil seiner Wurzeln. Durch einen Pflanzschnitt wird versucht das Gleichgewicht zwischen Wurzel und Krone wieder herzustellen. Ein kräftiger Rückschnitt in der Krone bewirkt einen kräftigen Austrieb.
2. Durch Frost, Wild oder andere Einflüsse verletzte Bäume und Sträucher hilft man, indem die beschädigten und abgestorbenen Pflanzenteile entfernt werden. In diesem Fall kann man versuchen mit einem ausgleichenden Schnitt die natürliche Wuchsform nachzuempfinden.
3. Alte Bäume und Sträucher sind meistens sehr dicht. Die Belichtung des Innenraumes und die Versorgung mit Nährstoffen werden behindert. Auch wenn sich viele Gehölze selbst bereinigen, kann man etwas mit der Schere helfen. Andernfalls könnten ganze Pflanzenteile absterben.
4. Lassen die Blüte oder die Früchte an Größe und Anzahl nach, liegt es oft an einer zu dichten Krone mit dem damit verbundenen nachlassen des Triebwachstums. Besonders strauchartige Gehölze wie Flieder, Rose und unsere Obstbäume sind davon betroffen. In diesem Fall muss man regelmäßig die abgestorbenen Teile ausputzen, zu dicht stehende Triebe entfernen oder ganze Triebe zurückschneiden. Unter Beibehaltung der natürlichen Wuchsform, wird ein kräftiger, blühfähiger Neuaustrieb angestrebt.
5. Stehen die Gehölze ungünstig, kommt es zu einem unnatürlichen Wuchs. Diese Pflanzen benötigen unsere besondere Pflege. Weil verloren gegangene Teile kaum wieder ersetzt werden, muss eine Korrektur vorsichtig und überlegt vorgenommen werden.
6. Oft übersehen wir bei der Pflanzung von Schmuckgehölzen deren spätere Ausmaße. Durch sachkundige und verständnisvolle Eingriffe muss hier die Krone auf ein zulässiges Maß eingeschränkt werden, ohne die Schmuckeigenschaften zu beeinträchtigen.
7. Bei günstigen Belichtungsverhältnissen versucht der Baum auch am Stamm zu treiben. Nur durch regelmäßiges Entfernen der Stammaustriebe gelingt es, den Stamm als solchen zu erhalten.
8. Eine Hecke kann schnell an Glanz verlieren, wenn sie nicht regelmäßig in Form gebracht wird. In unseren begrenzten Gartenflächen haben wir gar nicht den Platz Hecken grenzenlos wuchern zu lassen.
9. Schmuckgehölze werden ihrem Namen nicht gerecht, wenn man nicht trockene Blütenstände, Früchte und Zweige entfernt.

Es ist also wichtig, sinnvoll mit Schere und Säge umzugehen. Um Schnittmaßnahmen durchzuführen sollte man wissen, nach welchen Grundsätzen sich das Gehölz entwickelt und wie es auf den Schnitt reagiert. Dafür gibt es Grundregeln und Schnittarten, die man in gewisser Hinsicht verallgemeinern kann. Das "eine Rezept" gibt es aber nicht, denn Herkunft, natürliche Wuchsform, Standort und Zweck sind als eine Einheit zu sehen. Für die einzelnen Gattungen und Arten gibt es neben den Grundregeln auch spezielle Forderungen.

 

Wie und womit wird geschnitten

 

Durch die Schnittarbeiten, egal ob mit Säge, Schere oder Messer, entstehen Wunden an den Gehölzen. Je glatter der Schnitt, um so schneller verheilt die Wunde. Glatte Schnitte erzielt man mit scharfen Werkzeugen, außerdem geht die Arbeit auch leichter und schneller von der Hand.

 

Wundbehandlung

 

Kleine Wunden kann gesundes Gehölz durch die Bildung von Wundgewebe (Wundkallus) selbst schließen. Beim Schließen von größeren Wunden verwenden wir Wundverschlussmittel aus Baumwachs oder Kunststoff. Diese Mittel werden bei Schnittstellen ab zwei Zentimeter Durchmesser eingesetzt. Man verteilt sie gleichmäßig über die ganze Wunde. Besonders anfällig für Bakterien und Pilze ist der Wundrand. Auch stehen gelassene Aststummel verzögern den Heilungsprozess und sind oft Ansatzpunkt für Krankheiten und Schädlinge.

 

Wann wird geschnitten

 

Die wichtigsten Schnittmaßnahmen an Laubbäumen beginnen nach dem Laubfall im Herbst und können bis vor dem Neuaustrieb, Ende Februar bis Anfang März, durchgeführt werden. In dieser Zeit "schlafen" die Gehölze. Dieser Winterschnitte wird während milder Witterungsperioden durchgeführt. Bei Frost können die gefrorenen Äste und Zweige splittern, was zusätzliche Wunden hervorruft.
Beim Sommerschnitt handelt es sich um bestimmte Schnittmaßnahmen an einzelnen Gehölzen, die der Regulierung des Wuchses oder auch einem besseren Blütenansatz dienen. Ziergehölze, bei denen besonders die Blüte gefragt ist, sollten generell nach der Blüte geschnitten werden.