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Pflanzen wehren sich bei Schädlingsbefall mit Lockmitteln, die Insekten anziehen, die in einer höheren Position der Nahrungskette stehen und ihre Peiniger töten sollen. Wissenschaftler hoffen daraus eine Schädlingsbekämpfung entwickeln zu können. Um die Wechselwirkungen in Räuber-Beute-Beziehungen manipulieren zu können, brauchen die Forscher ökologisches Know-how. Parasiten leben in der Regel an oder in anderen Organismen, ohne sie umzubringen; Parasitoide hingegen töten ihren Wirt im Laufe ihrer Entwicklung.
Seit mehr als einem Dutzend Jahren ist bekannt, dass Pflanzen, die von Insekten angegriffen werden, flüchtige organische Stoffe produzieren, die Räuber oder Parasitoide der Pflanzenfresser anlocken. Die Parasitoide töten die pflanzenfressenden Insekten. Eine Möglichkeit der Schädlingsbekämpfung besteht darin, die chemischen Hilferufe der Pflanze zu verstärken, in dem sie eine größere Menge der Signalstoffe produzieren. Oder aber es wird die Schwelle herabgesetzt, ab der die Pflanze beginnt, die flüchtigen Substanzen zu bilden. Wissenschaftler fanden in Florida eine wild wachsende Form der Baumwolle, die fünf- bis zehnmal mehr Lockstoffe produziert als gezüchtete Sorten. Durch Züchtung ist die Fähigkeit der Baumwolle, sich Hilfe herbeizurufen immer mehr verloren gegangen. In den Niederlanden wollen Forscher Sorten der Gerbera entwickeln, die einerseits widerstandsfähiger gegenüber Milben sind, andererseits aber auch Milben anlocken, die wiederum die Fressfeinde der Gerbera vernichten. In Wageningen arbeiten Genetiker mit der Modellpflanze Arabidopsis, um herauszufinden, was bei dem Verteidigungsmechanismus der Pflanze auf genetischer Ebene passiert. Man glaubt, dass eine Kombination konventioneller |
Pflanzenzüchtung und molekularer Markierungstechniken vielversprechend ist.
Im Max-Planck-Institut für chemische Ökologie in Jena experimentierten Wissenschaftler mit wild wachsendem Tabak aus Utah. Sie schätzen, dass Lockstoffe und abstoßende Substanzen die Populationen der Pflanzenfresser um bis zu 90 Prozent reduzieren können. Statt zu warten, bis Schädlinge die Schadensschwelle überschreiten und dann mit Spritzmitteln gegen sie vorzugehen, könnte es klüger sein, das Ökosystem auf dem Acker so zu stärken, dass es sich selbst helfen kann. In Ostafrika wurde genau dies mit beträchtlichem Erfolg verwirklicht. In Kenia pflanzten Wissenschaftler einen Pflanzenmix: Um Mais- und Hirsefelder säten sie Pflanzenarten, die Fressfeinde dieser beiden Kulturpflanzen besonders gern mögen. So locken sie die Insekten aus dem Mais- und Hirsebestand heraus. Zwischen den Kulturpflanzen stehen Pflanzensorten, die Räuber abstoßen oder deren Fressfeinde anziehen. Seit die Versuche laufen, hat das System große Fortschritte gemacht. In den gemäßigten Zonen breiten sich Schädlingspopulationen nur sporadisch aus. Das Parasitoid-Management bedarf daher sehr vorsichtiger Strategien. Wild lebende Parasitoide können schädliche Blattläuse gut in Schach halten. Doch wenn eine Schädlingspopulation boomt, reagieren Parasitoide meist zu langsam, um einen wirtschaftlichen Schaden zu vermeiden. Wissenschaftler schlagen daher vor, Gebiete zu schaffen, in denen die Parasitoide dauerhaft leben können. Um das zu verwirklichen, müssten die Landwirte allerdings die gesamte Landschaft umwandeln: Nützlinge entwickeln sich prächtig in Hecken und unbewirtschafteten Feldrainen. |
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